RGBefore möchte mit einem frühen fotografischen Verfahren einen Ausgangspunkt für eine künstlerische Auseinandersetzung mit den aktuellen Themen setzen. Im Zentrum steht die Dreifarbenfotografie, die Ende des 19. Jahrhunderts einen entscheidenden Moment in der Geschichte des fotografischen Sehens markierte: Farbe wurde nicht länger nur imaginiert oder nachträglich ergänzt, sondern als technisch erzeugte Dimension fotografischer Wirklichkeit erfahrbar. Was damals als aufwendige Innovation galt, ist heute im digitalen Bild nahezu unsichtbar geworden, weil es zu dessen selbstverständlicher Grundlage längst gehört.
RGBefore
beschreibt den Moment,
bevor ein Bild entsteht.
RGBefore lädt dazu ein, ein historisches Prinzip der Bildentstehung neu zu befragen und es als künstlerische Praxis in die Gegenwart zu überführen. In einer Zeit, in der Bilder in unüberschaubarer Zahl produziert, verbreitet und konsumiert werden, richtet sich der Blick auf die Bedingungen des Fotografischen selbst: auf die Beziehung von Technik und Wahrnehmung, von Zerlegung und Synthese, von Dokumentation und Konstruktion.
Aus drei Einzelaufnahmen in den Farben Rot, Grün und Blau soll ein neues Bild entwickelt werden. Das Verfahren der Dreifarbenfotografie soll dabei nicht als bloße Rekonstruktion einer historischen Technik verstanden, sondern als künstlerische Methode, mit der sich die Materialität, Zeitlichkeit und Gemachtheit des fotografischen Bildes sichtbar machen lassen. Das resultierende Komposit steht damit immer auch für ein Nachdenken über das Bild als kulturelle Form: über seine Geschichte, seine technischen Voraussetzungen und seine Rolle in einer visuell geprägten Gegenwart.

Das Thema ist frei. Gesucht werden eigenständige fotografische Arbeiten, die das Prinzip von RGBefore auf konzeptuelle, experimentelle oder poetische Weise interpretieren. Eingereicht werden können Arbeiten, die aus drei selbst aufgenommenen Einzelbildern ein schlüssiges visuelles Ganzes entwickeln. So wird die Dreifarbenfotografie nicht nur als Technik verstanden, sondern als Einladung, Wahrnehmung neu zu ordnen: zwischen Dokumentation und Konstruktion, zwischen Augenblick und Komposition, zwischen historischem Verfahren und zeitgenössischem Blick. Aus drei Einzelaufnahmen entsteht ein neues Ganzes.